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Das Rokoko-Juwel des Chiemgaus


Tritt man durch das Portal ein, öffnet sich dem Besucher ein lichtdurchfluteter farbenprächtiger Festsaal. Der Blick schweift hinauf zum gewaltigen mittleren Deckenfresko von dem Künstler Felix Anton Scheffler, einem Münchner Asamschüler. Eine grandiose Rundschau über das Leben des hl. Augustinus und das Wirken seines Ordens.


Die Mitte des Deckengemäldes zeigt einen ganzen "Augustinerhimmel" und umgeben von einem Kranz vieler Engelsköpfe schwebt die Hl. Dreifaltigkeit. Das Gemälde über der Sängerempore zeigt ein himmlisches Konzert: König David auf der Harfe spielend, daneben der siebenarmige Leuchter und die Bundeslade, dahinter eine Gruppe singender und musizierender Engel.

Das vordere Deckengemälde über dem Presbyterium erzählt die Entstehungsgeschichte der Kirche. Dargestellt ist ein großer Hochaltar, an dessen Arkadensäulen links und rechts vom Tabernakel die Personen stehen, denen Baumburg seine Gründung zu verdanken hat: Adelheid von Möglingen (links vom Tabernakel) heiratete Marquart von Marquartstein (rechts ganz außen). Nach kurzer Ehe wurde er auf der Jagd erschlagen. Im Sterben trug er seiner Gemahlin auf, in Baumburg eine Kirche mit Kloster zu erbauen. Kurz darauf vermählte sich Adelheid mit dem reichen Ulrich von Passau (rechts vom Tabernakel). Aber erst ihr dritter Mann, Berengar von Sulzbach (ganz links), versprach bei ihrem Tode, das Gelübde zu erfüllen. Die Übertragung ihrer Gebeine 1156 - bei der Einweihung der Vorgängerkirche - in die Gruft vor dem Hochaltar in Baumburg ist auf dem Deckengemälde dargestellt.

Eine Prälatengestalt mit markanten, energischen Zügen fällt uns in diesem Bild auf. Es ist das lebensnahe Porträt des Propstes Joachim Vischer, der 1754-1757 für die 600-Jahrfeier die vorherige romanische und gotische Kirche im Rokokostil umbauen ließ unter Beibehaltung des romanischen Westwerks. Diesen weitgehenden Neubau plante und leitete der Gerichtsmaurermeister Franz Alois Mayr aus Trostberg. Wessobrunner Stukkateure vollendeten das Kunstwerk.

Eine alabasterweiße Krone stellt den Übergang vom Gewölbe zum Altar her. Ein blauer Vorhang bildet den Hintergrund. Der imposante Altaraufbau in besonders gut gelungenem Stuckmarmor umrahmt das große Altargemälde. Es stellt in seinem oberen Teil die hl. Margareta dar, wie sie von Christus empfangen wird. Unter der Heiligen stürzt, von einem Engel gestoßen, Satan in Gestalt eines Drachens in die Tiefe. Im Hintergrund ist die Enthauptung der hl. Margareta vor einer Götzenstatue dargestellt. Rechts unten rufen Alte und Kranke die Heilige um ihre Fürbitte an. Von links kommen König Ludwig XIV. von Frankreich und seine Gemahlin mit dem von der hl. Margareta erflehten Thronerben auf ihrem Arm. Der Grund für diese ungewöhnliche Szene ist die Bitte des bayrischen Kurfürsten Max III. Joseph, der 1756 Baumburg besuchte, um die gleiche Gnade, die ihm aber nicht zuteil wurde. Das ganze Gemälde ist ein Meisterwerk des Augsburger Malers Joseph Hartmann.

(Auszüge aus dem Kirchenführer von Pfr. Alois Fassnauer, Verlag Alois Erdl, Trostberg, 8. Auflage 2001)